Selbsthilfe

Deepfake entdeckt: Beweise sichern und richtig handeln

Ein manipuliertes oder KI-generiertes Bild zeigt Sie? Diese Schritte helfen bei Beweissicherung, Plattformmeldung und weiterer Eskalation.

Illustration zum Ratgeber: Deepfake entdeckt: Beweise sichern und richtig handeln

Wenn ein Deepfake Sie erkennbar nachahmt, sichern Sie zuerst Fundstelle, Kontext und Verbreitungsweg, ohne den Inhalt unnötig weiterzugeben. Melden Sie danach Quelle und Plattform. Suchmaschinenentfernung, Strafanzeige oder Rechtsberatung können je nach Inhalt zusätzlich erforderlich sein.

Was hier mit Deepfake gemeint ist

Deepfakes sind künstlich erzeugte oder deutlich manipulierte Bilder, Videos oder Audios, die eine reale Person glaubhaft darstellen sollen. Nicht jede Bildbearbeitung ist automatisch rechtswidrig. Entscheidend sind Inhalt, Einwilligung, Kontext, Täuschungswirkung und Verbreitung.

Besonders dringlich sind:

  • sexualisierte oder intime Darstellungen ohne Einwilligung,
  • Darstellungen von Minderjährigen,
  • Betrugs- oder Erpressungsversuche,
  • falsche Aussagen oder Handlungen im Namen der betroffenen Person,
  • gezielte Rufschädigung,
  • wiederholte Veröffentlichung über mehrere Profile und Websites.

1. Eigene Sicherheit priorisieren

Reagieren Sie bei Drohungen oder Erpressung nicht unter Zeitdruck mit Zahlungen oder weiteren Bildern. Sichern Sie die Kommunikation und holen Sie Unterstützung. Bei unmittelbarer Gefahr wenden Sie sich an die Polizei.

Wenn der Deepfake über ein kompromittiertes Konto verbreitet wird, sichern Sie zusätzlich E-Mail- und Social-Media-Zugänge, ändern Sie Passwörter und prüfen Sie aktive Sitzungen.

2. Beweise sichern, ohne weiterzuverbreiten

Dokumentieren Sie möglichst:

  1. vollständige URL und Plattform,
  2. Profilname und Profil-ID,
  3. Datum und Uhrzeit,
  4. Screenshot des sichtbaren Kontexts,
  5. Beschreibung, Hashtags und begleitende Behauptungen,
  6. Reichweiten- oder Teilungshinweise, sofern sichtbar,
  7. Nachrichten, Drohungen oder Zahlungsforderungen,
  8. die echten Ausgangsbilder, sofern bekannt.

Vermeiden Sie öffentliche Reposts „zur Warnung“, weil diese die Reichweite erhöhen können. Bei Darstellungen Minderjähriger dürfen Sie problematische Inhalte nicht weiterleiten; nutzen Sie die dafür vorgesehenen offiziellen Meldewege.

3. Plattformmeldung passend begründen

Wählen Sie den konkretesten verfügbaren Meldeweg: manipulierte Medien, Identitätsnachahmung, nicht einvernehmliche intime Inhalte, Belästigung oder Betrug. TikTok nennt für schädliche KI-Nachahmung einen eigenen Meldeweg unter manipulierten beziehungsweise KI-generierten Medien.

Geben Sie knapp an:

  • dass Sie die dargestellte oder nachgeahmte Person sind,
  • dass der Inhalt künstlich erzeugt oder wesentlich manipuliert ist,
  • ob eine Einwilligung fehlt,
  • welchen konkreten Schaden oder Täuschungszweck der Inhalt erkennen lässt.

4. Quellseite und Suchmaschine getrennt bearbeiten

Ein Suchergebnis ist nur ein Verweis. Google bietet für reale und künstlich erzeugte sexuelle Inhalte mit einer identifizierbaren Person besondere Antragswege. Google weist zugleich darauf hin, dass eine Entfernung aus der Suche die Datei auf der Quellwebsite nicht löscht.

Bearbeiten Sie deshalb parallel:

  • das Profil oder den Beitrag auf der Plattform,
  • die Website, auf der die Datei liegt,
  • relevante Google-Ergebnisse,
  • Kopien auf anderen Plattformen.

5. Strafanzeige oder Rechtsberatung prüfen

Ob ein Deepfake strafbar ist oder zivilrechtliche Ansprüche auslöst, hängt vom Einzelfall ab. Bei Erpressung, Bedrohung, Betrug, Nachstellung oder sexualisierten Inhalten ist eine frühe polizeiliche beziehungsweise rechtliche Einordnung häufig sinnvoll.

Die Onlinewachen der Länder sind für geeignete einfache Sachverhalte erreichbar. Komplexe Situationen, akute Gefahr oder umfangreiche Beweismittel sollten direkt mit einer Dienststelle besprochen werden.

6. Weitere Verbreitung beobachten

Suchen Sie nach Namen, Benutzernamen, markanten Textpassagen und bekannten Fundstellen. Eine umgekehrte Bildsuche kann Varianten finden, erkennt aber nicht jede Bearbeitung. Dokumentieren Sie neue URLs getrennt, damit Plattformen oder Dienstleister konkrete Fundstellen bearbeiten können.

Setzen Sie sich Grenzen: Dauerhafte Eigenrecherche kann psychisch belasten. Übergeben Sie wiederkehrende Kontrollen bei Bedarf an eine Vertrauensperson oder geeignete professionelle Unterstützung.

Nachweise

Quellen und weiterführende Informationen

Kurz beantwortet

Häufige Fragen

Muss ich beweisen, mit welchem KI-Werkzeug der Deepfake erstellt wurde?

Für die erste Plattformmeldung ist meist wichtiger, dass Sie erkennbar nachgeahmt werden und der konkrete Inhalt dokumentiert ist. Die technischen Anforderungen unterscheiden sich je Verfahren.

Soll ich den Deepfake herunterladen?

Sichern Sie nur, was für Dokumentation und Meldung erforderlich und rechtlich vertretbar ist. Bei sexualisierten Darstellungen Minderjähriger dürfen Inhalte nicht weitergegeben oder unnötig vervielfältigt werden.

Kann Google einen Deepfake aus dem Internet löschen?

Google kann passende Ergebnisse aus der Suche entfernen, nicht die Datei auf der Quellwebsite. Die Quelle und das Suchergebnis müssen getrennt gemeldet werden.